Ingenieurgetriebene Realitätserfassung für verlässliche Infrastrukturinformationen ober- und unterirdischer Anlagen
Industrielle Transformation, Modernisierung und Brownfield-Erweiterungen beginnen alle mit einer grundlegenden Voraussetzung: dem Verständnis dessen, was vor Ort bereits vorhanden ist – mit ausreichender Sicherheit und Genauigkeit. Virtual Plant® schafft diese Grundlage, indem die reale Infrastruktur durch ingenieurgetriebene Reality-Capture-Methoden erfasst und strukturiert wird, individuell abgestimmt auf die jeweilige Betriebsumgebung.
Im Gegensatz zu generischen Visualisierungsplattformen oder Ansätzen, die ausschließlich auf eine einzelne Scanmethode setzen, ist Virtual Plant® nicht von einem festgelegten Technologie-Stack abhängig. Unterschiedliche industrielle Umgebungen erfordern unterschiedliche Erfassungsstrategien – abhängig vom Ziel, der erforderlichen Präzision, den betrieblichen Rahmenbedingungen und den zukünftigen ingenieurtechnischen Anforderungen. Aus diesem Grund kombiniert Virtual Plant® verschiedene Erfassungstechnologien und Engineering-Methoden, um verlässliche Infrastrukturinformationen für komplexe Industrieanlagen aufzubauen.
Je nach Anwendungsfall kann dies terrestrisches Laserscanning, mobiles Scanning, SLAM-Technologien, drohnenbasierte Bildaufnahmen, Panoramaaufnahmen, Photogrammetrie, geodätische Vermessung sowie Technologien zur unterirdischen Detektion umfassen. Ziel ist es nicht nur, ein visuelles Modell zu erstellen, sondern eine wiederverwendbare digitale Infrastrukturgrundlage zu schaffen, die operative Arbeitsprozesse, Engineering-Aktivitäten und zukünftige Transformationsinitiativen unterstützt.
In vielen Industriesektoren, wie Tanklagern, Gasinfrastruktur, Chemieanlagen, Versorgungsunternehmen und Energieanlagen, sind Datenqualität und technische Verlässlichkeit entscheidend. Die erfassten Informationen sollen häufig nicht nur der Visualisierung dienen, sondern auch Engineering-Validierungen, Instandhaltungsplanung, Retrofit-Projekte, Management of Change (MoC), Asset-Integrity-Aktivitäten, zukünftige Back-Modelling-Anforderungen sowie Brownfield-Modifikationen unterstützen. Dafür ist ein Engineering-Verständnis auf hohem Niveau erforderlich – insbesondere in Bezug auf Genauigkeit, Toleranzen, Anlagenbeziehungen und den betrieblichen Kontext.
Virtual Plant® versteht Reality Capture daher als Prozess zur Gewinnung intelligenter Infrastrukturinformationen – und nicht als reine, isolierte Scanaktivität. Engineering-Kompetenz, Validierung vor Ort und betriebliches Verständnis werden direkt in den Erfassungsprozess integriert, um sicherzustellen, dass die daraus entstehende digitale Umgebung zuverlässig über verschiedene Geschäfts- und Engineering-Funktionen hinweg genutzt werden kann.
Intelligente Informationen für oberirdische Infrastruktur
Virtual Plant® erfasst und kontextualisiert oberirdische Industrieinfrastruktur, darunter Rohrleitungssysteme, Prozessanlagen, Tanks, Gebäude, Kabeltrassen, Konstruktionen sowie operative Betriebsumgebungen. Die Plattform ermöglicht es Unternehmen, bestehende Anlagen mit dem Detaillierungsgrad zu navigieren und zu verstehen, der für industrielle Entscheidungen und ingenieurgetriebene Arbeitsprozesse erforderlich ist.
Erfasste Umgebungen können unter anderem folgende Bereiche unterstützen:
- Vorbereitung von Brownfield-Projekten
- Engineering-Validierung
- Abgleich der Asset-Dokumentation
- Planung von Wartungs- und Inspektionsmaßnahmen
- Shutdown- und Turnaround-Aktivitäten
- Zukünftige Engineering- und Back-Modelling-Initiativen
- Operative Zusammenarbeit standortübergreifender Teams
Anstatt isolierte Datensätze für einzelne Projekte zu erstellen, schafft Virtual Plant® eine skalierbare Ebene intelligenter Infrastrukturinformationen, die sich im Laufe der Zeit gemeinsam mit der Anlage weiterentwickeln kann.
Intelligente Informationen für unterirdische Infrastruktur
Unterirdische Infrastruktur zählt in industriellen Umgebungen nach wie vor zu den größten Bereichen mit mangelnder Sichtbarkeit. Vergrabene Rohrleitungen, Kabeltrassen, Versorgungsleitungen und verdeckte Infrastruktur sind häufig nicht dokumentiert, veraltet oder nur schwer zu validieren. Dadurch entstehen erhebliche Risiken bei Aushub-, Retrofit- und Erweiterungsprojekten.
Virtual Plant® begegnet dieser Herausforderung durch die Kombination von Ground Penetrating Radar (GPR), geodätischer Vermessung und Engineering Intelligence, um Informationen zu unterirdischer Infrastruktur zu identifizieren, zu interpretieren und zu strukturieren. Im Gegensatz zu isolierten Ansätzen zur Leitungserkennung wird die detektierte unterirdische Umgebung durch Engineering-Workflows aufbereitet und in den übergeordneten Infrastrukturkontext integriert.
Die ingenieurtechnische Interpretation ist besonders an komplexen Industriestandorten entscheidend, an denen Informationen zur unterirdischen Infrastruktur später Brownfield-Engineering, Sicherheitsplanung, Integritätsmanagement und zukünftige Bauaktivitäten unterstützen müssen. Unterirdische Infrastruktur kann mithilfe von 3D-CAD-Techniken auf Engineering-Niveau sowie räumlichen Modellierungsansätzen visualisiert und anschließend direkt in die Virtual Plant® Umgebung integriert werden – gemeinsam mit oberirdischer Realitätserfassung und Punktwolkendaten.
So entsteht eine vernetzte Informationsumgebung für ober- und unterirdische Infrastruktur, die die Projektsicherheit erhöht, Unsicherheiten reduziert und sicherere Entscheidungen für bestehende Industrieanlagen unterstützt.