Industry
Wasser & Versorgung
Project Duration
Oktober 2025 - Dezember 2025
Scope
Audit-Bereitschaft,Brownfield-Projekte

Digitalisierung kritischer Wasserinfrastruktur: Warum verlässliche Asset Intelligence vor der Modernisierung stehen muss

In ganz Europa treten Betreiber von Wasser- und Abwasserinfrastruktur in eine neue Phase der Transformation ein. Die Herausforderung besteht längst nicht mehr nur darin, Kläranlagen zu betreiben. Versorgungsunternehmen müssen heute gleichzeitig alternde Infrastruktur modernisieren, zunehmend strengere Umweltaufllagen erfüllen, die Resilienz gegenüber dem Klimawandel verbessern, die operative Effizienz optimieren und sich auf zukünftige digitale Technologien vorbereiten.

Viele Organisationen stehen dabei jedoch vor derselben grundlegenden Frage: Wie lässt sich Infrastruktur modernisieren, wenn man den Informationen, die sie beschreiben, nicht vollständig vertrauen kann? Genau hier muss digitale Transformation beginnen.

Bei Gizil haben wir kürzlich einen der fortschrittlichsten Abwasserbetreiber Europas, Aquafin, dabei unterstützt, eine verlässliche digitale Ausgangsbasis für eine Kläranlage in Belgien zu schaffen. Das Projekt verdeutlicht eine zunehmend wichtige Realität für Betreiber kritischer Infrastruktur: Vor KI, vor Predictive Maintenance und vor Digital Twins braucht es vertrauenswürdige Infrastrukturinformationen.

Der wachsende Druck auf Europas Wassersektor

Wasserversorger und Abwasserbetreiber stehen vor beispiellosen Herausforderungen. In ganz Europa wurde ein großer Teil der Abwasserinfrastruktur vor Jahrzehnten geplant und über viele Jahre hinweg kontinuierlich verändert, erweitert, repariert und modernisiert. Dadurch spiegelt die Engineering-Dokumentation die tatsächlichen Bedingungen vor Ort häufig nicht mehr vollständig wider. Gleichzeitig müssen sich Betreiber auf neue regulatorische Anforderungen vorbereiten.

Die überarbeitete EU-Kommunalabwasserrichtlinie ist 2025 in Kraft getreten und führt strengere Anforderungen in Bezug auf Abwasserbehandlung, Entfernung von Mikroschadstoffen, Umweltmonitoring, Energieeffizienz und langfristige Infrastruktur-Compliance ein. Die Mitgliedstaaten sollen die Richtlinie bis 2027 in nationales Recht umsetzen. Neue Behandlungsstufen und zusätzliche Umweltverpflichtungen werden europaweit erhebliche Investitionen und Modernisierungsmaßnahmen erforderlich machen. Darüber hinaus müssen Versorgungsunternehmen weiterhin die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie, Klimaanpassungsstrategien, Programme zur Hochwasserresilienz und Initiativen der Kreislaufwirtschaft unterstützen.

Diese Herausforderungen schaffen eine einfache, aber entscheidende Voraussetzung: Betreiber benötigen genaue, zugängliche und validierte Infrastrukturdaten, bevor sie zukünftige Investitionen wirksam planen können.

 

Die versteckte Herausforderung: Wissenslücken in der Infrastruktur

Wenn Organisationen Modernisierungsprogramme starten, stoßen sie häufig auf ein unerwartetes Hindernis. Die größte Herausforderung ist nicht die Technologie. Die größte Herausforderung ist die Qualität der Informationen.

Aquafin-Projekt: Aufbau der digitalen Ausgangsbasis

Unser Projekt mit Aquafin konzentrierte sich genau auf den Aufbau dieser Grundlage. Anstatt mit komplexer Modellierung oder einer reinen Softwareeinführung zu beginnen, setzte das Projekt dort an, wo erfolgreiche Digitalisierung immer beginnt.

Die Anlage wurde mithilfe moderner Reality-Capture-Technologien vermessen und dokumentiert, um eine aktuelle Darstellung des Standorts zu schaffen. Bestehende Engineering-Informationen wurden mit den tatsächlichen Bedingungen vor Ort abgeglichen, um Abweichungen zu identifizieren und sicherzustellen, dass zukünftige Entscheidungen auf verifizierten Informationen basieren können.

Prozessdokumentationen wurden in strukturierte, durchsuchbare Engineering-Informationen überführt und mit physischen Assets verknüpft. Validierte Infrastrukturinformationen wurden in einer einzigen digitalen Umgebung zusammengeführt und bilden damit die Grundlage für zukünftige operative und ingenieurtechnische Anwendungsfälle.

Dieser Ansatz ermöglicht es Organisationen, eine vertrauenswürdige digitale Ausgangsbasis zu schaffen, bevor umfassendere Initiativen zur digitalen Transformation umgesetzt werden.

Über das Projekt

Das Aquafin-Projekt stellt die erste Phase einer umfassenderen Digitalisierungsreise dar, die darauf ausgerichtet ist, eine validierte Ausgangsbasis der Infrastruktur durch Site Walkdown, As-Built-Verifizierung und die Implementierung von Smart P&IDs zu schaffen. Bei Gizil nennen wir diesen Ansatz Brownfield Infrastructure Intelligence: einen praxisnahen, ingenieurgetriebenen Weg, der Betreibern hilft, bestehende Anlagen in vertrauenswürdige digitale Assets zu transformieren – ohne auf groß angelegte Transformationsprogramme oder kostenintensive Modellierungsprojekte warten zu müssen.

Der erste Schritt zur digitalen Transformation ist kein Digital Twin.

Der erste Schritt ist, die eigene Infrastruktur zu kennen.

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